Danke Conny...

Ein besonderer Dank geht an meine Frau, die mich in der Ausübung meines Hobbys auf so vielfältige Art unterstützt. Bis hin zu den Broten die mir durch die mitunter langen Nächte helfen.
Jeder der eine EQ6 sein eigen nennt, kennt das leidige Problem mit dem Einstellen der Polhöhe.
Mit der Werksseitigen Pol'achse' ist dieses besonders in dem Zusammenhang mit den originalen Einstellschrauben (sofern man diese als solche bezeichnen möchte) eine echte Geduldsprobe. Und alles nur nich reproduzierbar.
Folgendl die Punkte, die mich am meisten störten.
  • Die Einstellschrauben:
    1. Diese sind so fummelig zu bedienen, dass man kaum etwas vernünftig eingestellt bekommt. Ausserdem ist der benätigte Kraftaufwand nicht zu unterschätzen.
    2. Die Schrauben biegen sich durch, sobald man etwas zu fest kontert. Und das in einem Maße wie es nicht akzeptiert werden kann, was mich zu der Annahme führt, dass sich auch bei diversen Änderungen der Belastung (änderung der Hebelwege/ des Schwerpunktes relativ zur Polachse) sich die die Schrauben durchbiegen.
    3. Stahlschrauben, die unter Last gedreht werden (und wenn es noch so kleine Winkel sind), sollten nicht unbedingt in einem Geinde laufen, dass direkt in Aluguss geschnitten wurde (wenn es wenigstens ein geformtes Gewinde wäre...). Das Gewinde neigt recht schnell zum Einlaufen, was auf Kosten dessen Genauigkeit und vor allem der Festigkeit geht.
Originalteile
Auf dem Bild oben sind schön die beiden 'hochwertigen' Einstellschrauben zu erkennen.
  • Die Achse selbst: 
    1. Vielleicht auch den langen und weichen Einstellschrauben geschuldet ist die Tatsache, dass das einstellen der Polhöhe nur sehr ruckelig von statten geht. Was aber auch darauf zurück geführt werden kann, dass hier faktisch eine ungefette 'Passchraube', welche einseitig in der Basis verschraubt und gekontert ist, als Welle dient. Wobei ich an dieser Stelle noch Glück habe, die älteren EQ6 haben Teilweise gewöhnliche Schrauben mit DURCHGEHENDEM GEWINDE, welches sich logischweise irgendwann regelrecht ins Alu presst und damit jede Genauigkeit vernichtet.
Polblock
Montierung
Das waren die Punkte, die mich bei der Montierung am meisten störten und den 'Feldeinsatz' nicht unbedingt erleichterten.
Natürlich bieten diverse Shops neue Einstellschrauben an, was ich aber nur für eine halb durchdachte Lösung halte, weil damit nur einer der insgesamt vier Punkte behoben wird. Und das ist nicht einmal der schlimmste. Ok, die neuen Schrauben sind (wenn es die Origanlteile von KIPP sind) schon etwas steifer, wodurch sich auch eine leichte Besserung in Punkt 2 ergeben dürfte.
Aber irgendwie stolptere ich bei der suche nach Verbesserungen für die EQ6 über die Seite http://www.jd-astronomie.de/eq6.html.
Ein kurzes Stöbern ergab, dass die einzelnen Verbesserungen durchdacht und sinnvoll sind. Ausserdem ist die Beratung hervoragend, aber das nur am Rande. Zugegeben, der Einbau der Teile ist etwas Aufwändiger als das blose Austauschen der Schrauben und erfordert auch die eine oder andere Maschine die wohl die wenigsten zuhause stehen haben (Säulenbohrmaschine mit MK2 bzw. 16mm Futter) und Gewindebohrer in Baumarktuntypischen Größen (M14) sowie eine 14H7-Maschinenreibahle mit passendem Bohrer zum vorbohren (min 13,5 besser 13,75). Aber auch hier wird weitergeholfen indem (ausser der Bohrmaschine) benötigtes Werkzeug gegen Pfand ausgeliehen werden kann.
Aber da mir verschiedene Maschinen und nicht zu wenig Werkzeug zur Verfügung steht und ich gerne selbst rumbastel, kam für der Einbauservice nicht in Frage.
Aber hier nun meine Umbauten im Einzelnen.

Die Polachse
Das erste Problem war das Zerlegen der Montierung. Nach dem entnehmen der Einstellschrauben für den Azimut und der Polhöhe (endlich sind sie RAUS ;-) ) ging es an das zerlegen der Montierung. Diese netten kleinen Plastikdeckel an der Seite sind verklebt. Also: Schraubenzieher ansetzen, Augen zu und *plink*... Deckel ab? Denkste! Nur teilweise. :-( Ich hab keine Ahnung wie die Dinger Verklebt sind, aber an manchen Stellen ist dem Zeug nur mit einem (alten/billigen) Lochbeitel und einem Hammer beizukommen.
Die Alte Polachse war recht schnell gelöst. Allerdings sollte man VORHER *räusper* die drei kleinen Gewindestifte, oder auch Madenschrauben ;-), in der runden Metallplatte durch die drei Löcher des Polblocks hindurch soweit gegen den Uhrzeigersinn drehen, dass die nicht mehr unten raus schauen. Zum Glück ist die Montierung mit so viel Spielgefertigt, dass man von der Seite hineinschauen kann. Eine Taschenlampe wirkt hier Wunder. :-)
Nun kann die Montierung selbst ganz einfach aus dem Polblock gezogen werden. Hier fallen einam dann die Metallplatte und zwei Gleitscheiben in die Hand. Diese Teile sind auf dem Bild oben zu erkennen und werden NOCH BENÖTIGT.
Opfer
Es sollte das erste Opfer aber auch das Letzte bleiben. ;-)



Hier ist zwar die neue Achse schon drin, aber wesentlich sind die Löcher für die Gewindestifte.
Bohrungen
Nun geht es an das Bohren der Montierung.
Hier ging mir dann doch etwas die Muffe. NOCH gibt es ein 'Zurück'. Auch wenn Kollateralschöden zu beklagen wären (der NEQ6-Deckel vorher).
Aber es hilft nix. Es mus gemacht werden.
Von den Bildern beim Bohren existieren leider keinen Aufnahmen, weil ich in der Werkstatt in der mein Neffe sein Geld verdient nicht einfach so rumknippsen wollte. Immerhin konnte ich deren Große Ständerbohrmaschine kostenlos nutzen.
Beim Bohren gibt es ein paar Punkte zu beachten:
Es müssten die jeweils gegenüberliegenden Seiten in EINER Aufspannung gebohrt werden. Das bedeutet, dass das Bauteil auch nicht zu Wechsel von Bohrer auf Reibahle ausgespannt werden darf.
Wird hier das Werkstück trotzdem ausgespannt, ist die Montierung möglicherseiweise hinüber, weil man sie Vermutlich nicht wieder so genau eingespannt bekommt, damit die H7-Passung hergestellt werden kann.
Gebohrter Polblock
Zum einpressen der Sintermetallbuchsen habe ich eine 12mm Schraube mit passender Mutter bzw. die Welle selbst genommen.
Wenn diese sich nach dem Einsetzten der Lager nur schwer einsetzen und auch bewegen lässt, sollte man mit einer 12H7-Reibahle noch einmal durch die Lager durch. Hier sollte man vorzugsweise eine lange Handreibahle nehmen. ;-)
Buchse eingepresst
Bevor das ganze wieder zusammengebaut wird, müssen in den beiden Kunststoffscheiben und in der Metallscheibe noch die Löcher auf etwa 12,5-13mm vergrößert werden.
Nun kommt die Metallscheibe wieder in den Polblock und die beiden Teile werden zusammengelegt.
Bevor die Welle durch kommt müssen die beiden Kunststöffscheiben wieder an ihre ursprünglichen Plätze.
Jetzt wird die Welle eingesetzt und verschraubt. Danach wird an den drei Madenschrauben das Axiale Spiel auf "0" gestellt. Bitte nicht zu fest anziehen, weil sonst die hervoragende Leichtgänigkeit der ganzen Achse nicht mehr gegeben ist.
Auf dem Bild rechts ist auch schon der Lagerblock zu erkennen, dessen Einbaubeschreibung noch folgt.
Zusammenbau

Die Schrauben
Hier gab es ja gleich drei Ansatzpunkte, auf welche ich im einzelnen eingehe.

Ich fange mal hinten an.
Um das Problem mit den Stahlschrauben zu lösen, werden in dem Shop Edelstahlbuchsen angeboten, welche einfach in ein M14-Innengewinde eingeklebt werden. Das ist eine sehr einfache und auch elegante Lösung.
Hier ist das Loch zu sehen, welches bereits für das M14-Gewinde aufgebohrt wurde
Ausgebohrt
Eingeklebte Buchse
Das nächste Problem war schon etwas kniffeliger zu lösen.
Hierzu wird ein zusätzliches Drucklager aus Alu an der Unterseite der Montierung verschraubt.
Dieses bewirkt eine massive Verkürzung der Einstellschraube (welches übrigens ein Original KIPP-Spannhebel ist) und erleichtert die Einstellbarkeit und erhöht die Stabilität. Allerdings zum Preis einer wesentlich eingeschränkten Verwendbarkeit der Montierung was die Geografische Breite angeht.
Da die unterseite nicht wirklich eben ist, musste ich mal wieder improvisieren.
Auf dem Bild unten ist schön zu erkennen wie uneben die Unterseite ist.
Unebene Unterseite
Die Unebenheiten habe ich kurzerhand soweit abgefeilt, dass der Block eben aufliegt.
Zur Montage habe ich den Block mit etwas Teppichklebeband auf seine Spätere Position geklebt, damit der nicht wegrutscht.
Danach werden mit einem 6mm-Bohrer die Positionen der Bohrlöcher auf die Montierung übertragen ABER NICHT DURCHGEBOHRT.
Jetzt werden die Löcher mit einem 5mm-Bohrer durchgebohrt. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass keine Späne in die Montierung gelangen.
Sowohl beim Bohren als auch beim Gewindeschneiden muss genau darauf geachtet werden, dass die Bohrungen gerade verlaufen. Sonst drehen sich die Schrauben schief ein.
Nun wird der Polblock nur noch verschraubt und Fertig.
Vorbereitet
Fertig

Fazit:

Es war wieder ein nettes Wochenende bei meinen Eltern.
Die teile von JD-Astronomie sind alle Qualitativ erstklassig und Maßhaltig. Werden ja auch großteils von denen selbst hergestellt.
Aber abgesehen davon hat sich die Arbeit wirklich gelohnt.
Fertiger Umbau
Man sieht zwar von der Wichtigsten Arbeit am wenigsten, aber die Polhöhe ist nun sehr einfach und genau einstellbar.
Einfach die vordere Konterschraube auf, am Spannhebel ohne jeden Kraftaufwand nachstellen und wieder LEICHT kontern.
Nun lasse ich mir für die Seiten noch zwei neue Abdeckungen fräsen (die Befestigungsbohrungen habe ich gleich mitgebohrt) und schon sieht die Montierung wieder richtig gut aus. ;-)
Hoffentlich könnte ich jemanden zum Nachbauen anregen.

Mein Dank geht erst einmal an das Team von JD-Astronomie für dernen geduldige Beratung. Ausserdem möchte ich mich bei meinem Vater für die Nutzunge seiner Maschinen und der Firma Lenz für die Nutzung ihrer Säulenbohrmaschine danken.
Und natürlich meiner Mutter für Kost und Logis. :-D

Das war's auch schon.

Gruß
Bernd